Hilfe, ich hab Pilling!

Du kennst sie, die kleinen Knötchen, die sich an stark beanspruchten Stellen unserer Strickstücke bilden.

Pilling, was ist es – woher kommt es?
Es kommt an fast allen Textilien vor, je kürzer die verwendeten Fasern desto stärker – je filzanfälliger das Textil desto größer sind die Knötchen. Manche Fasern sollen sehr anfällig für Pilling sein, andere weniger, warum ist das so und stimmt das überhaupt generell?

Natürliche Fasern haben unterschiedliche Längen, bei Spinnfasern spricht man oft von Stapellänge. Je länger die Faser desto hochwertiger der Faden. Egal ob tierrische Fasern oder pflanzliche Fasern, man kann einen Faden erst ab einer bestimmten Länge der Fasern spinnen, weil die einzelnen Härchen sonst nicht aneinander halten. Je fester der Faden verdreht ist (viel Drall), umso stabiler ist das Garn aber es kann auch störrisch werden.
Chantimanou, eine Fachfrau für Fasern und Handspinnerei, hat einen Kanal auf Youtube, wo sie viel über Handspinnen spricht aber in diesem Video auch über Fasern und Stapellänge erklärt. Wenn dich das interessiert, hier geht es zu Chantimanous Video auf Youtube: klick

Viele kurze Fasern fallen während des Spinnprozesses schon aus dem Faden raus, einige, die Fasern im Grenzbereich, bleiben im Faden. Dort überstehen sie Wäschen, Färbeprozeduren und das Stricken und erste Tragen bei dir. Dann aber bilden sich an manchen Stellen, oft unter den Armen, die bösen Knötchen. Das ist bis zu einem gewissen Grad normal! Die kurzen Fasern, die sich bisher erfolgreich im Faden festgehalten hatten, kämpfen sich nun durch die Bewegung im Textil aus dem Faden raus, treffen andere Fasern und durch das Schubbern bei jeder Armbewegung verketten sie sich und bilden Knötchen.
Mit einem Fusselrasierer ist das Problem schnell beseitigt. Bitte vermeide es, die Knötchen auszuzupfen, du ziehst nur mehr Fasern aus dem Faden.
Nach ein paar Mal Tragen und Waschen sollte das Schlimmste ausgestanden sein, die kurzen Fasern haben sich auf Nimmerwiedersehen aus dem Faden herausgearbeitet und es bleiben nur die guten, langen Fasern im Faden.
Ich lege etwa ein- oder zweimal im Jahr einen Stricksachen-Pflegetag ein, Waschen, Spannen/Trocknen und mit dem Fusselrasierer die Pillings absammeln, das reicht.

Wenn ein Strickstück übermäßig pillt ist oft mindere Qualität Schuld. Es werden hauptsächlich kurze, billige Fasern versponnen und das Pilling nimmt kein Ende, der Faden ist nicht so belastbar. Das macht wirklich keine Freude. Man kann also nicht sagen das Alpaca generell mehr zu Pilling neigt als Schurwolle.
Bei hochwertigen Garnen ist es tatsächlich so, auch bei sehr feinen Fasern wie Alpaca oder Cashmere, sie Pillen wenig und wenn sich nach der Anfangszeit die kurzen Fasern aus dem Garn herausgearbeitet haben, ist die Neigung zu Pilling nicht mehr da.
Mit der richtigen Pflege, schonende und seltene Wäsche (Wolle muss man wirklich nur selten waschen) und ab und an mal den Fusselrasierer zücken, hat man wirklich lange Freude an den Schätzen aus Edelfasern.

2 Kommentare zu „Hilfe, ich hab Pilling!“

  1. Liebe Nicole,

    danke für den Blogbeitrag. Ich wollte schon länger mal was über Pilling schreiben, aber du hast das so gut gemacht, dass ich es mir sparen kann und gerne bei Bedarf auf deinen Beitrag verlinken werden.

    Liebe Grüße
    Claudia

    1. Danke dir liebe Claudia!
      Ab und an habe ich den Drang mein gesammeltes Fachwissen in die Welt zu rufen, hilft ja vielleicht jemandem. Schick ruhig alle her 😀
      Ganz liebe Grüße!

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